Luxus über den Wolken: Der schwindelerregende Privatjet von Novartis und die Realität der Prämienzahler
Es gibt Momente, da fragt man sich wirklich, in welcher Blase einige unserer Wirtschaftsführer leben. Nehmen wir das jüngste Beispiel von Novartis: Während hierzulande viele Menschen um ihre Krankenkassenprämien bangen und überlegen, wie sie über die Runden kommen, gönnt sich die Konzernspitze einen neuen, luxuriösen Privatjet. Persönlich finde ich das eine fast schon groteske Zurschaustellung von Reichtum, die an der Lebensrealität der meisten Bürger vorbeigeht.
Ein Hauch von Exklusivität – und die Frage nach der Finanzierung
Die Rede ist von einem Dassault Falcon 8X, einem Fluggerät, das nicht nur mit «Effizienz und Reichweite» punktet, sondern auf Wunsch sogar mit einer Dusche im Heck ausgestattet ist. Der Anschaffungspreis? Mindestens 60 Millionen Dollar, und das ist nur der Anfang. Was mich hier besonders irritiert, ist die Tatsache, dass ein Teil dieser Summe offenbar aus Prämiengeldern der Schweizer Bevölkerung finanziert wurde. Novartis bestätigt lediglich, dass ein bestehender Jet ersetzt wurde, und hüllt sich ansonsten in Schweigen. Das ist aus meiner Sicht keine Art, mit denjenigen zu kommunizieren, die indirekt zur Finanzierung beitragen.
Die Kluft zwischen Management und Volk wird immer grösser
Diese ganze Angelegenheit wirft ein Schlaglicht auf die wachsende Kluft zwischen dem, was sich das Top-Management leisten kann, und dem, was die breite Masse stemmen muss. Pharmakritiker Beat Ringger bringt es auf den Punkt: Der Jet sei ein klares Zeichen für die "enorme Kluft zwischen der Welt des Novartis-Managements und der breiten Bevölkerung". Wenn ein Unternehmen, das gerade mit Forderungen nach höheren Medikamentenpreisen und drohenden Marktrückzügen Schlagzeilen macht, sich derart luxuriöse Annehmlichkeiten leistet, dann sollte das jeden zum Nachdenken bringen. Die Gewinnmarge von Novartis im letzten Jahr – über 40 Prozent – lässt zudem vermuten, dass es an Mitteln für die Entwicklung neuer Medikamente nicht mangelt, sondern eher an der Bereitschaft, diese Gewinne gerechter zu verteilen oder auf übermässige Preiserhöhungen zu verzichten.
Politische Reaktionen: Schweigen und Kritik von links
Was mich wirklich erstaunt, ist die Reaktion der bürgerlichen Parteien. Von der SVP, der FDP und der Mitte-Partei gibt es dazu keine Stellungnahme. "Es ist nicht Aufgabe der Politik, sich in unternehmerische Entscheidungen privater Firmen einzumischen", so die FDP. Diese Haltung finde ich bedenklich. Wenn ein Unternehmen eine derart dominante Stellung im Gesundheitswesen hat und gleichzeitig solche Entscheidungen trifft, die die öffentliche Wahrnehmung massiv beeinflussen, dann muss sich die Politik damit auseinandersetzen. Kritik kommt erwartungsgemäss von links. SP-Nationalrat Samuel Bendahan fordert, dass die Forderungen nach höheren Medikamentenpreisen sofort vom Tisch müssen. Die Grünen-Nationalrätin Manuela Weichelt sieht darin gar nur die "Spitze des Eisbergs" und plädiert für eine stärkere Unabhängigkeit der Schweiz von Pharmakonzernen. Das sind Stimmen, die meiner Meinung nach Gehör finden sollten.
Die tiefere Frage: Wer bestimmt die Prioritäten?
Letztlich geht es hier um mehr als nur um einen teuren Jet. Es geht um die Frage, wer die Prioritäten setzt und wer davon profitiert. Während das Management von Novartis im vergangenen Jahr Millionenbeträge als Salär kassierte – allein CEO Vas Narasimhan rund 24,9 Millionen Franken –, kämpfen viele Familien mit steigenden Gesundheitskosten. Wenn man bedenkt, dass Novartis mit der Einführung neuer Medikamente in der Schweiz droht, falls die Preise nicht steigen, wirkt der Kauf eines Luxusjets geradezu wie eine Provokation. Es wirft die Frage auf, ob die Prioritäten des Unternehmens wirklich auf der Versorgung der Patienten liegen oder doch eher auf der Maximierung des eigenen Wohlstands, selbst auf Kosten derer, die auf die Medikamente angewiesen sind. Das ist, was diese ganze Debatte für mich so wichtig macht.
Was denken Sie darüber? Ist das ein Zeichen unternehmerischer Freiheit oder ein Ausdruck bodenloser Frechheit angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage vieler Menschen? Ich bin gespannt auf Ihre Gedanken dazu.